Samstag, 21. Juli 2012

Was mit den Gedanken tun

... fehlt da nicht ein Zeichen: Fragend? Ausrufend! - Oder gar die drei Pünktchen, mit denen ich den Post hier beginne? Ja! Das passende Zeichen gibt der Aussage den Gehalt, aber manchmal lässt man sie weg, weil der Leser selbst entscheiden soll. Denn es ist ein Unterschied, welches Zeichen man setzt, es ändert nicht nur in der geschriebenen, auch in der gesprochenen Sprache den Sinn eines Satzes. Die gesprochenen Zeichen sind Laute - Ironie entsteht so, Trauer, Empörung, Fröhlichkeit, die ansteckt, Griesgram, der aneckt. Im Netz bleibt nur das Zeichen - oder hilfsweise das Smiley - um zu sagen, wie das Gesagte gemeint ist, und bei all der Schnell-Leserei scheint auch das vielen zu entgehen oder sie verzichten darauf, beim Schreiben wie beim Lesen. Schade ist das, denn letztlich arbeiten wir ja mit Worten, wenn wir schreiben, aber auch, wenn wir sprechen - wir wollen etwas ausdrücken, und zwar so, dass das Gegenüber uns auch versteht.

Seit einiger Zeit ist viel die Rede von den "schlechten" Einflüssen des Internets, von "Cyber-Mobbing", von "Shitstorms". Digitale Empörung, die Übersetzung für Shitstorm hat was! Sie drückt nämlich aus, dass diese Empörung nicht real, sondern digital ist. Nur stehen dahinter reale Menschen, die aber offenbar mit dem Eintritt in die digitale Welt vergessen, dass sie auch online reale Menschen bleiben. Würden sie so mit ihrem Nachbarn reden? Mit ihrem Chef, wenn sie ihm persönlich im Büro gegenüberstünden? Mit dem Beamten auf dem "Amt"? Normalerweise stellt man in Textzusammenhängen solche Fragen rhetorisch, das heißt, ich erwarte jetzt vom Leser ein inneres "NEIN". Aber die Lektüre der Offline-Medien (sprich: die Zeitung beim gemütlichen Urlaubs-Frühstück) offenbart, dass der Umgang mit den Mitmenschen auch im realen Leben zunehmend leidet. Der Ton sei rauher geworden, in Ämtern, in Firmen, allüberall. Und was bietet man als Lösung an? "Wir versuchen zunehmend, den persönlichen Kontakt zu vermeiden."

Das stand da wirklich und wahrhaftig. Und dafür kann das Internet nun wirklich nix.

Ich wünsche Euch ein kreatives Wochenende - und die nötige Muße und Gelassenheit, über die richtigen Zeichen nachzudenken. Online, Offline. In Geschichten, in Posts, im wahren Leben.

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