Donnerstag, 17. April 2014

Amazon ist nicht das Problem!

"Beliebigkeit verkauft sich nicht", schreibt Buchhändlerin Martina Bergmann in ihrem buchreport blog und einer profunden Bestandsaufnahme derzeitiger "Bestsellermentalität" folgt das Statement: "Den höchsten Preis für diese gleichförmig langweiligen Programme zahlen die Autoren. Überdrehung und Textproduktion widersprechen sich, und das Wegbrechen nahezu jedweder Backlist tut ein Übriges, sie von beruhigter Arbeit abzuhalten. Ich kann es ihnen deshalb nicht verdenken, wenn sie nach Alternativen suchen. Aber ich verstehe nicht die Logik, nach der Amazon ausgerechnet zu Autoren fairer sein soll als zu Lieferanten und Logistikern. Autoren sind auch Menschen, und Menschen zählen nicht in dem System."
Was soll man dazu sagen?
Guter Text. Richtig und wichtig. Aber Amazon ist nicht das Problem, sondern das Resultat. Ein Besuch auf einschlägigen Autoren-Plattformen lässt deutlich werden, wie sehr mittlerweile "Content" das Geschichtenerzählen ersetzt, ein Blick in die Listen der Neuerscheinungen, das Outsourcen von Qualität (Lektorat, Korrektorat) tut ein Übriges. Die Übernahme dessen, was man glaubt, dass es "der Leser" lesen will, durch Menschen, die statt Bücher auch Kopfschmerztabletten verkaufen könnten und die Rechtfertigung all dessen durch (monetär bestimmte) "Erfolgslisten": Ja, das gab es auch früher schon, und natürlich müssen auch Bücherleute Geld verdienen. Nichts gegen die Bedienung der "Masse", aber dass Bücher immer auch Ideen und Ideale verkörpern, was sie schließlich zur "Kultur-Ware" macht(e), das gerät zunehmend in Vergessenheit. Dass "etablierte Kräfte" der "Bücherwelten" zunehmend an Bedeutung verlieren, haben sie sich (auch) selbst zuzuschreiben. Es hat schon was: einem Gewerbe, das von der Fantasie lebt, fehlt es an der Fantasie, die (auch digitale) Herausforderung und Chance des Buchmarktes für sich zu entdecken. Stattdessen wird gebetsmühlenartig die "Krake Amazon" beklagt, der man sicherlich genau diese mangelnde Fantasie nicht vorwerfen kann. Und eines auch nicht: Dass man (auch) als "Nischenkunde" (und -Produzent) erstklassigen Service erhält. Soll ich sagen: Leider? Ja. Denn Konkurrenz belebt das Geschäft, und ich kenne und liebe die Welt der (kleinen) Buchhandlungen - aber was nutzt das, wenn immer nur geklagt und nicht gehandelt wird?
Link zum Blogeintrag von Martina Bergmann auf buchreport: 
http://www.buchreport.de/blog.htm?p=3661

Kommentare:

  1. endlich mal jemand, der nicht nur stur auf amazon einprügelt

    manchmal erscheinen mir buchländen (auch und gerade kleine als) leute mit "ich kann nicht, deswegen darf der auch nicht"

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  2. Ich bin unbedingt dafür, Dinge objektiv zu sehen - und nach Lösungen zu suchen, nicht nach Klagemauern :) Herzliche Grüße!

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  3. Kurz und treffend und das Beste, was ich seit langem zum Thema gelesen habe!

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  4. Ich bin für beides offen, Selfpublishing und Verlag. Sowohl als Leser wie auch als Schreiber.
    Ich denke, dass viele Leser so ticken. Ich halte das SP für einen besseren Einstieg in die "Szene" als das unkoordinierte Versenden von Bewerbungsexposés an 1001 Verlage und Agenturen. Sollen sie sich doch aus den Talenten bei KDP bedienen!

    Dieses Gejammer scheint mir typisch für die deutsche Buchbranche zu sein. Zählen denn im "System" Verlag die Menschen mehr als bei Amazon? Auch der Verlag kümmert sich doch um kommerzielle Vermarktung, denn sonst kann er schließen.

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    1. Auch ich kann diese "ehernen" Grenzen nicht nachvollziehen. Sowohl als Leser als auch als Autor: Es kommt doch auf die Geschichte an, und die Art und Weise, wie diese zum Leser gebracht wird, sollte sich nur an Qualität, nicht an Dogmen messen lassen. Beste Grüße!

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